Geschichte


Der älteste Hinweis auf ein eingerichtetes Archiv, wenngleich es wohl nur aus einigen Truhen bestand, liegt aus dem Jahr 1399 vor. Im so genannten Archivregister verzeichnete der Stadtschreiber Nikolaus Rorberg auf Befehl des Rates alle Privilegien und ca. 400 Urkunden, die im Besitz der Stadt waren und in der Marktkirche verwahrt wurden („… dat der stad meyst an to donde sy“). Dieses Urkundenverzeichnis ist wohl eines der ältesten deutschen Stadtarchivinventare (siehe Fröhlich: Das älteste Archivregister der Stadt Goslar)


 

 

Als ältestes Stück findet sich ein Diplom Friedrich Barbarossas aus dem Jahre 1188, mit dem die städtische Überlieferung einsetzt. Das Archiv befand sich bis etwa 1500 in der Marktkirche „des rades abbete in der kerken“ und zog in das neu erbaute Rathaus um. 1630 erfolgte eine Neuverzeichnung des Archivs, unter Mithilfe von Heinrich Bremer, durch den Ratsherrn und späteren Kämmerer Johannes Söchting, der als Ergebnis ein neues Archivregister, den „Catalogus archivi Goslariensis“ vorlegte. Diese Überarbeitung war notwendig geworden, nachdem das Archiv nicht nur das städtische Schriftgut sondern auch die Unterlagen der 152
8 aufgehobenen Kirchen, Klöster und Bruderschaften enthielt. Ebenso übernahm das Archiv umfangreiches Aktenmaterial, das infolge des Streites der Herzöge von Braunschweig und Wolfenbüttel und der Stadt um den Besitz am Rammelsberg entstanden war.

Eine weitere – allerdings sehr oberflächliche – Neuordnung fand 1713 statt. Die mehrfach wechselnden Verwaltungszugehörigkeiten Goslars verhinderten allerdings einen geregelten Aufbau des städtischen Archivs. Insgesamt war das 18. Jahrhundert gekennzeichnet von völligem Desinteresse am Archiv, welches darin gipfelte, dass der Rat den Bürgermeister mit dem Verkauf großer Teile des Archivs beauftragte. Nach der Zuordnung Goslars zu Preußen versuchte man erneut, Ordnung in das Archiv zu bringen.

Von 1841 bis 1904 wurde das Archiv aus Platzmangel im Rathaus erneut in der Marktkirche untergebracht. In der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen unter dem Stadtkämmerer Louis Schlesinger umfangreiche Verzeichnungsarbeiten. 1871 erhielt der Hildesheimer Archivar Dr. Pacht den Auftrag, die Urkunden des Domstifts und Petersbergstifts zu verzeichnen. Diese Arbeit war 1878 beendet. Seit 1887 wurde das Archiv ehrenamtlich durch Gymnasialprofesser Dr. phil. Uvo Hölscher betreut. 1891 führte er feste Öffnungszeiten und eine erste Benutzungsordnung ein. Nach dreijährigen Aufenthalt im Souterrain der Lutherischen Mädchenschule zog es 1907 in das Hintergebäude des städtischen Hauses Marktstraße 1. Prof. Wilhelm Wiederhold bestellte man 1921 zum hauptamtlichen Stadtarchivar. Erst 1948 erhielt das Archiv einen ausgebildeten Archivar, sodass eine geregelte Archivbetreuung erfolgen konnte.

Dank der Auslagerung des Archivs in einen Stollen des Bergwerks Rammelsberg haben die Bestände mit nur unwesentlichen Verlusten den zweiten Weltkrieg überstanden.
1962 bezog das Archiv eine Etage und im September 1995 das ganze Haus in einem Teil der ehemaligen Vititorkaserne in der Zehntstraße 24.


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